Europa

Regionaler Wirtschaftsausblick November 2018: Europa

November 2018

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Zusammenfassung

In der ersten Hälfte des Jahres 2018 setzte die Wirtschaftstätigkeit ihren Expansionskurs fort, wenn auch in einem etwas langsameren Tempo als erwartet, was hauptsächlich für die wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder Europas gilt. Die Binnennachfrage bleibt dank mehr Beschäftigung und höheren Löhnen der wichtigste Wachstumsmotor. Allerdings sieht das externe Umfeld weniger günstig aus und wird sich 2019 infolge von schwächerer globaler Nachfrage, Handelsspannungen und höheren Energiepreisen voraussichtlich noch weiter verschlechtern. Ungünstigere Finanzierungsbedingungenin anfälligen Schwellenländern und zunehmend reife Konjunkturzyklen lasten ebenfalls auf der Wirtschaftstätigkeit. Dementsprechend wird das Wachstum laut unseren Prognosen von 2,8 Prozent in 2017 auf 2,3 Prozent in 2018 und schließlich auf 1,9 Prozent in 2019 sinken. Allerdings wird erwartet, dass sich die Wachstumsrate in den meisten Ländern der Region weiterhin überhalb des Potenzialwachstums befindet. 

 

Risiken in dem Prognosezeitraum haben zugenommen. Kurzfristig könnten eine Eskalation des Handelsstreits und eine massive Verschlechterung der globalen Finanzierungsbedingungen Investitionen schwächen und das Wachstum bremsen. Mittelfristig ergeben sich Risiken aus der schleppenden Umsetzung von fiskalischen Anpassungen und Strukturreformen, aus demografischen Herausforderungen, zunehmender Ungleichheit und nachlassendem Rückhalt der politischen Mitte. Darüber hinaus würde ein “no-deal” Brexit zu hohen Handels- und anderen Barrieren zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Rest der Europäischen Union führen und negative Folgen für das Wachstum mit sich bringen.

 

Die Politik ist gefordert die Chancen des Wachstums -- welches nach wie vor über Potenzial liegt -- zu nutzen, , um Strukturreformen umzusetzen sowie neuen Spielraum für Fiskalpolitik zu schaffen. Besonders anfällige Länder sollten versuchen, ihre hohen Staatsschulden abzubauen und fiskalische Puffer wiederherzustellen, um den notwendigen Spielraum für den Umgang mit künftigen Schocks zu schaffen. Im Gegensatz dazu sollten Länder mit ausreichend fiskalischem Spielraum und  exzessiv starken Außenhandelspositionen ihre öffentlichen Investitionen stärken, damit sie das Potenzial ihrer Volkswirtschaften anheben und ausgeglichenen Handel fördern. 

 

Die Prioritäten der Geldpolitik fallen von Land zu Land unterschiedlich aus. In den Schwellenländern Europas, wo der Inflationsdruck allgemein zunimmt, sollten Zentralbanken die Geldpolitik schrittweise normalisieren und dies klar kommunizieren, um eine reibungslose Anpassung zu gewährleisten. In den wirtschaftlich fortgeschrittenen Volkswirtschaften Europas, in denen der (Kern-)Inflationsdruck generell verhalten ausfällt, sollte die Geldpolitik weiterhin expansiv sein, um  die Inflation dauerhaft in Richtung ihrer Zielwerte anzuheben. Prioritäten für Struktur- und Finanzsektorreformen bleiben gegenüber den letzten Regional Economic Outlook Berichten für Europa unverändert.

 

Gezielte makroprudenzielle Politiken können im Umgang mit bestimmten Risiken für die Finanzstabilität nützlich sein. Wie in Kapitel 2 erörtert, zielen diese Politiken hauptsächlich darauf ab, finanzielle Strapazierfähigkeit aufzubauen und sowohl den Preisanstieg von Wohnimmobilien als aus das Kreditwachstum zu zügeln. Die Analyse legt nahe, dass Maßnahmen auf der Kreditnehmerseite, gestützt durch Maßnahmen auf der Kreditgeberseite, zu einem schrumpfenden Anteil riskanterer Hypotheken und damit zu stärkerer finanzieller Widerstandsfähigkeit beigetragen haben. Ein gemischteres Bild ergibt sich für die Fähigkeit von makroprudenziellen Politiken, Preise für Wohnimmobilien und allgemeines Kreditwachstum in Schranken zu halten, während die Geldpolitik weiterhin expansiv ist.